Märchen III

Gedicht auf ein Bild von Lorenz Bögle.

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Bild (c) Lorenz Bögle

Märchen III

Unstet plätschert’ es dermalen
an des schwarzen Spiegel Bild
von der Sonne, von der fahlen,
primo heftig, dopo mild –
stürzten aberviel der kleinen,
güld’nen Augenblicke,
zu zerbersten um zu scheinen,
von der müden, krummen Brücke.

Durch der heimlich Gassen Munde,
Wand an Wand buckelte sich,
als es schlug zur Abendstunde,
ein viel geträumter Schatten schlich –
wie er schwob sie zu verwirren
übers Meereswehen hinweg,
ihre Klänge zu erspüren,
auf dass das Lied ihn neu erreg.

Gierde bebte in den Steinen,
von des Tages Hauch genährt,
nach Villotta’s edlem Scheinen,
das er williglich verzehrt
und wie ihr zartes Weiß ihm schmeckt
hört’ er sie es aussprechen,
in ihrer Anmut ausgestreckt:
„Komm, du kleines Teufelchen!“

Ihr halb vertraut, zu halb ihr fremd,
wand er sich um die Triebe,
neckt an der Schnur, dass sie ihn kennt,
„Doch im Verborg’nen bliebe
alles nicht vom Wort Bemalte
nur im Zauber seiner Stund“
küsste sie das Maskenalte,
küsste sie auch seinen Mund.

„Harlekin, wohin des Weges?“,
schallt es frech auf ihn herab,
wie der Laute müdes Träges,
sich von der Gondola begab,
schickte traurig er den Blick
hinan in bangem Zögern
und sein Geseufze schwer durchschlich
der Königsweihe Federn.

„Komm herein und lass uns fahren,
lege deine Maske ab!
Morgen wissen wir, wir waren
und wir schaufeln dir dein Grab!“
Doch es war nur fröhlich Singen
und der Vino floss darein,
reglose Gesichter springen:
„Ewig lebe hoch das Sein!“

Märchen III | Text: Klaus Oberrauner | Stimme: Markus Schöttl

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