„Der Sonnblick ist der Sonnblick“

Der Sonnblick. Einer der pittoresken Dreitausender in Österreich. Bekannt ist der Berg für die höchstgelegene meteorologische Beobachtungsstation, ein Stolz des gealterten Kaisertums. Legendär ist das Skihochtouren-Rennen auf über 3100 Meter auf den Hohen Sonnblick im Nationalpark Hohe Tauern. Wo 1894 erstmals der mit dem Rauris verbundene Skipionier Wilhelm Ritter von Arlt (1853-1944) in 32 Minuten vom Hohen Sonnblick ins Tal abfuhr, revitalisierte der ehrenamtliche Bergretter Wolfgang Waraschitz 2016 die historische Skitour-Challenge. Abseits von Pistentrubel und Liftkomfort im hochalpinen Gelände ursprünglicher Natur. Bis 1950 führte der Salzburger Landesskiverband die legendären Rennen vom Gipfel durch. Eine sportive Einzigartigkeit. Zwischen Gipfel (3106 m) und Tal (1600 m). 2018 soll es eine Neuauflage des Sonnblickrennens geben. Im KulturToDate-Interview erzählt Waraschitz von diesen Herausforderungen sowie von den Schönheiten winterlichen Tourensports.

Was ist das Sonnblickrennen?
Waraschitz: „Das Sonnblickrennen ist ein hochalpines Skitourenrennen – für Leute mit alpiner Erfahrung. Für Extremsportler aber natürlich auch für den Genusstourengeher, der hier Rennfeeling schnuppern möchte.“

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Foto: (c) Sonnblickrennen

Wie sind Sie mit dem Sonnblickrennen in Berührung gekommen und was hat Sie dazu bewogen, ein Revival des Rennens zu organisieren?
Waraschitz: „Zur Berührung kam es schon vor einigen Jahren als ich immer wieder die Geschichten des alten Sonnblickrennen hörte, nur wusste ich nie sso richtig, wie man dies organisieren könnte. Dann hatte ich – leider oder zum Glück – eine Kreuzbandverletzung und war lange Zeit außer Gefecht gesetzt. Da ich in dieser Zeit sehr viel Zeit hatte zum Nachdenken, kam ich auf die Idee. Und so ging eins ins andere. Es kostet mich jedoch eineinhalb Jahre Organisation.“

Welche herausfordernden Kriterien warten auf die Teilnehmer des Sonnblickrennens?
Waraschitz: „Hochalpine. Alpine Gefahren, die auf einer Piste nicht vorkommen können. Die Teilnehmer müssen sich am Gletscher sowie in einer Tragepassage beweisen und wer vom Aufstieg noch nicht genug hat, der kann sich auch noch in der Abfahrt beweisen.“

Sie konnten auch mit Zeitzeugen des Sonnblickrennens sprechen: Welche besonderen Geschichten sind Ihnen dabei in Ernnerung geblieben?
Waraschitz: „Eine ganz besondere Geschichte war: Dass die Teilnehmer früher mit dem Fahrrad anreisen mussten und sämtliches Equipment selbst mittragen mussten. Man bedenke das schwere Material. Aus meiner Sicht waren diese Leute Pioniere im wahrsten Sinne.“

Was haben Teilnehmer des Sonnblickrennens über ihre persönlichen Erfahrungen berichtet?
Waraschitz: „Die Teilnehmer haben berichtet, dass es super ist wieder ein Rennen zu haben, das so alpin ist und auf über 3000 Höhenmeter geht. Es ist auch das Einzige in Österreich, das auf über 3000 Höhenmeter geht.“

Wird es wieder ein Sonnblickrennen geben?
Waraschitz: „Es wird nächstes Jahr – am 17.03.2018 – wieder ein Sonnblickrennen geben. Die Herausforderung bei solch einer Veranstaltung ist, dass wir keinen Lift bzw. Pistengeräte oder Ähnliches anwenden können. Somit ist ein enorm großer Personalstand an freiweilligen Helfern nötig. Weiters sind wir sehr stark wetterabhängig. Die Veranstaltung kann nur bei gewissen Bedingungen stattfinden.“

Wieviele Teilnehmer nahmen beim letzten Sonnblickrennen teil?
Waraschitz: „Wir hatten 2016 hundert Teilnehmer aus Österreich, Deutschland und sogar Italien.“

Sie haben ihn schon mehrere Male bezwungen: Was ist der Sonnblick für ein Berg?
Welche Tücken, welche Schönheiten birgt er? Was zieht hinauf?
Waraschitz: „Ja, ich habe den Sonnblick schon mehrere Male bezwingen dürfen. Auch schon einige Male umdrehen müssen. Es ist aus meiner Sicht sehr wichtig, Warnzeichen zu erkennen und auch zu respektieren. Der Sonnblick ist der Sonnblick. Ich kann ihn schwer beschreiben. Man muss das Begerlebnis Sonnblick selbst erleben. Die Bergtour zum Sonnblick birgt zahlreiche Schönheiten. Egal ob Winter oder Sommer. Sei es im Winter die Stille, wo es scheint, der Berg wäre im Winterschlaf. So ist es im Sommer die traumhafte Kulisse, wo richtig Leben im Berg steckt.“

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Wolfgang Waraschitz | Foto: (c) Sonnblickrennen

Als leidenschaftlicher Tourengeher: Was ist das Reizvolle an diesem Sport?
Waraschitz: „Ich schätze beim Tourengehen sehr, dass man abseits des ganzen Trubels ist. Man kann abschalten und entspannen.“

Worauf ist beim Tourengehen unbedingt zu achten?
Waraschitz: „Unbedingt zu achten ist natürlich auf die alpinen Gefahren, die man natürlich mit einer sorgfältigen Tourenvorbereitung – so mit Berücksichtigung des Lawinenlageberichts – sehr reduzieren kann. Ein gewisses Restrisikob bleibt natürlich immer bestehen.“

Gibt es so etwas wie eine goldene Regel beim Tourengehen?
Waraschitz: „Die goldene Regel: Be cool – stay safe! Das heißt: auch einmal abbrechen und umdrehen, wenn man sich nicht mehr wohl fühlt.“

Woher kommt Ihre Freude an den Bergen und am Wintersport?
Waraschitz: „Das Schöne am Wintersport ist die landschaftliche Stille. Die Freude am Wintersport kommt sicherlich auch durch den freiwilligen Dienst in der Bergrettung Rauris.“

Inwieweit ist die Region Rauris ein Eldorado für Wintersport und Tourengeher?
Waraschitz: „Wir haben in Rauris zahlreiche Schitouren für Anfänger bis Alpinisten. Wir können in Rauris so ziemlich jeder Sportart nachgehen. Sei es Tourengehen, Eisklettern, Skifahren, Langlaufen, Schneeschuhwandern, Bergsteigen und vieles mehr. Rauris zeichnet sich natürlich auch mit seiner Geschichte des Goldabbaus aus. Inmitten einer einzigartigen Kulisse: Egal ob Winter oder Sommer.“

Kommt man mit dem Tourengehen an eine Urpsrünglichkeit der menschlichen Fortbewegung in den Gebirgsgegenden zurück?
Waraschitz: „Ich denke, dass man von der Ursprünglichen Fortbewegung in dieser Art sich nie wirklich entfernt hat. Es wird halt jetzt mehr Augenmerk darauf gelegt. Was ja auch gut ist.“

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Foto: (c) Sonnblickrennen

 

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