Habsburg und die Alpen | Teil 1

Nicht nur mit dem Kaiserthron schrieben die Habsburger Geschichte(n). Auch die Berge weckten zunehmend ihr Interesse als Rückzugs-, Erholungs- und Erlebnisort. Noch im Mittelalter als schreckliche oder unüberwindbare Riesen gefürchtet, bezwangen, erschlossen und genossen die Aristokraten die Alpen über die folgenden Jahrhunderte, vor allem ab 1800. Und die vermehrte Anwesenheit der Kaiserfamilie in den Alpenregionen machte auch das Volk neugierig. So begibt sich die neue Dokumentation „Habsburg und die Alpen“ von Christian Papke (Teil 1 am 2.04.2019, 21:05, ORF III) an Schauplätze, wohin es die Monarchenfamilie, zumeist in ihrer Freizeit, verschlug.

Reichenau an der Rax, vor den Toren des Wiener Hofes gelegen, wurde bald ein besonderer Magnet des noch relativ jungen Trends der Sommerfrische. Der ländliche Ort an den Ausläufern der Wiener Alpen sah noch den kleinen Kronprinzen Rudolf und seine Schwester Erzherzogin Gisela beim Spielen im Grünen. Ihr Vater, Franz Joseph, hatte hier von 1859 bis 1864 das heute so genannte „Sisi-Schloss“ angemietet. Ganz besonders gerne hielt sich hier aber der Kaiserbruder Erzherzog Karl Ludwig auf. Als großer Naturliebhaber ließ er sich 1870 direkt am Fuße der Rax eine Sommervilla, Schloss Wartholz, bauen: ein Erholungs- und Familienmittelpunkt, der einen Blick über das ganze Tal erlaubte. Von hier aus unternahm Familie Habsburg so manche Bergtour. Als umgänglich und familiär beschrieben, war der Vater des späteren Thronfolgers Franz Ferdinand bei der örtlichen Bevölkerung sehr beliebt. Später entdeckte Karl I., letzter Kaiser der Donaumonarchie, das großväterliche Anwesen für sich. Hier verbrachte er mit seiner Gemahlin Zita die Flitterwochen und hatte bei einem seiner hiesigen Waldgänge ein besonderes Klangerlebnis, als er den Reichenauer Holzknecht Hans Lanner an seiner Zither hörte. Derart von seinem Musizieren angetan, lud der letzte Kaiser ihn prompt nach Wartholz ein und ernannte ihn schließlich zum Hofzitherspieler. Das war schon gegen Ende der Monarchie. Aber schon lange bevor die Südbahn ihren Teil zum Aufschwung des Reichenauer Gesellschaftslebens leistete, kraxelte hier schon Kaiser Maximilian I. bei der Jagd.

Zur alpenländischen Kaiserregion schlechthin wurde das oberösterreichische Salzkammergut. Ganz besonders eng verbunden ist es mit der Biographie von Kaiser Franz Joseph. Man erzählt, dass er auf die Welt kam, nachdem seine Mutter, Erzherzogin Sophie, die Salzkuren in Bad Ischl genoss. Immer wieder reiste die Familie fortan ins damals noch weitgehend beschwerlich erreichbare Dachsteingebiet. Wenige oder schlechte Straßen führten hierher, wo sich vor Zeiten die Habsburger gegen die Salzburgischen Fürsterzbischöfe das Vorrecht über den hier getätigten Salzbergbau und das so geschätzte „Weiße Gold“ erstritten. Diesmal kamen sie aber nicht, um zu kämpfen. Sondern sie kamen um zu lieben. Hier verlobte sich der junge Kaiser Franz Joseph mit der bayerischen Prinzessin Elisabeth. Ein majestätisches Traumpaar, das für einen regelrechten Society-Boom sorgte. Denn es war schick, dorthin zu gehen, dort zu urlauben, dort gesehen zu werden, wo auch der Kaiser war. Zur Verlobung schenkte Erzherzogin Sophie den Brautleuten die Kaiservilla, die sich noch heute für interessierte Besucher öffnet, um in einen wichtigen Teil der Habsburger Geschichte eintauchen zu können. Hier installierte der Kaiser, der sich hier fast jährlich aufhielt, seine Sommerresidenz. Äußerst verliebt in die Gegend war Kaiserin Elisabeth. Nicht umsonst gilt sie als eine der naturverbundensten und reiselustigsten Habsburgerfrauen. Von ihrem Schreibzimmer in der Kaiservilla aus konnte sie den Jainzenberg sehen, den sie regelmäßig bestieg. Er wurde zu ihrem „Zauberberg“ und inspirierte sie zu Gedichten, die sie in ihrem poetischen Tagebuch festhielt. Draußen im Freien konnte sie sich vom einengenden Hofleben lösen und ihr sportives Wesen befriedigen. Während ihr Mann aus ähnlichen Gründen dem Weidwerk nachging, erklomm sie die Berge im Salzkammergut. Auch die Gosau wurde ob ihrer Nähe zu Ischl beliebtes Ausflugsziel und Jagdgebiet für die Habsburger und die High Society der Donaumonarchie.

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