Sisi – Allüren und Zwänge einer Kaiserin

Kaiserin Elisabeth. Als „Sissi“ verklärte Figur und eines der beliebtesten Aushängeschilder des österreichischen Kaiserhauses. Traumpartie des jungen Franz Josef und heute noch Herzensmagnet für Geschichtstouristen oder Habsburgnostalgiker. Zugleich eine der geheimnisvollsten, eigenartigsten und widersprüchlichsten Persönlichkeiten im Hause Habsburg. Nicht zuletzt aufgrund ihrer manisch verfolgten Allüren. Die neue Dokumentation von PapkeFilm begibt sich auf ihre Spuren und beleuchtet damit auch den gern von ihr verlassenen Rahmen des höfischen Lebens.

Als Tochter der Schwester der Kaisermutter heiratete die Wittelsbacherin Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern, im Jahre 1854 ihren Cousin Franz Joseph von Österreich. Mit 16 Kaiserin zu werden klingt wie ein Traum. Doch reflektiert sie später, dass sie nicht begriffen habe, worauf sie sich wirklich eingelassen hatte. Früh auch für kaiserlichen Nachwuchs gesorgt, fand sie sich bald von zweierlei eingeengt: den familiären und den strikt strukturierten höfischen Pflichten. Zunächst anscheinend in der Mutterrolle überfordert und für politische Dingen wenig interessiert, konzentrierte sie sich zunehmend auf sich selbst.
Vor allem verfolgte sie die Absicht, ihrem Ruf als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit mehr als nur gerecht zu werden. Sie unterwarf sich strengsten und merkwürdigsten Diäten, turnte regelmäßig und unternahm so gut wie täglich mehrstündige und ausgedehnte Spazierläufe, die mitunter das sie begleitende Personal außer Atem brachte oder patrouillierende Polizisten in Alarmbereitschaft versetzten, da sie glaubten, sie würde verfolgt.
Die zuweilen als außergewöhnlich schlank beschriebene Kaiserin maß auch immer wieder nach, ob sie wirklich nicht dicker geworden war. Sehr viel Zeit ihrer Morgentoilette beanspruchte Sisis Frisur. Ihr Haar, zu einer einzigartigen Kronenfrisur geflochten, war ihr ein großes Heiligtum, sodass sie die Friseusen entsprechend strafte, wenn sie ihr nur eines krümmten. Dass sie ihre Haar sogar als eigenes Lebewesen betrachtete, ist einem ihrer vielen Gedichte zu entnehmen. Immer wieder tauchte sie in die Welt der Verse ein, getrieben von ihrem schreiberischen Idol Heinrich Heine. Von der Phantasielosigkeit ihres Gatten gelangweilt und von den Fesseln der Etikette eingeengt, drängte Sisi etwas für ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden und zur Befreiung ihres Geistes zu tun. Sie ging auf Reisen, fuhr auf Kur oder lief über Berge der Alpen. Immer mehr mied sie die Massen und verfolgte ihre eigenen Interessen.

Auch rückblickend wird Sisi somit zu einer mysteriösen wie vielfältigen Projektionsfläche. Unter anderem wurde sie zur Ikone der Emanzipation verklärt. Ihre Allüren geben auch Anlass, an Magerwahn oder Sportsucht zu denken. Denn, was sie machte, machte sie exzessiv. Die unerschöpfliche Kassa ihres kaiserlichen Gemahls, ermöglichte es ihr, den schönen Schein zu pflegen. Sie hätte sich nichts von den Dingen leisten können, die sie letztendlich dann doch nicht glücklich machten. Zum Teil absonderliche Angewohnheiten und Eigenschaften einer hofflüchtigen, regierungsunfreudigen Monarchin, die das Charakterbild von PapkeFilm zeichnen.

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