Landleben in Filzmoos

Filzmoos. Eines der schönsten Bergdörfer in Österreich ist Schauplatz für naturverbundenes und herzleichtes Landleben, das die neue Dokumentation von Christian Papke in den Blick nimmt. Unter der Bischofsmütze, dem Hausberg und weithin sichtbaren Wahrzeichen, entfaltet sich in diesem Eck des Salzburger Pongau ein ganz besonderer Lebensraum für die Ansässigen aller Generationen.

„Für mich ist die Natur einfach das Um und Auf, und das beruhigt enorm“, bringt es Altbürgermeister und Landwirt Johann Sulzberger auf den Punkt, während er den selbsterzeugten Edelbrand aus eigenem Obstbestand genießt. Auf der Sulzkaralm – auf über 1500 Meter im Filzmooser Westen Richtung Salzburger Schieferalpen gelegen – geht Familie Ebner ihrem Arbeitsalltag in schönster Kulisse nach. Hier wird von Mutter und Tochter die eigene Almmilch zum sogenannten „Sauerkas“ verarbeitet. Dort, wo andere Ruhe suchen oder Urlaub machen – in schöner Einsamkeit.

Auf Beständigkeit setzt auch Peter Lackner. Der orthopädische Hufschmied, der sich von diesem „Knochenjob“ etwas zurückgezogen hat, ist leidenschaftlicher Friesenpferdezüchter. Sein Lieblingsplatz ist der Pilzhof, der fast ein halbes Jahrtausend auf dem Buckel hat: Er ist sein Zuhause. Hier hat der Pferdespezialist die Bischofsmütze im Blick, die ihn jeden Morgen in den Tag begleitet. „Wenn du mit Pferden arbeitest, dann musst du ein Rossmensch sein. Du musst ein Gefühl haben dazu.“ So Lackner, der jahrzehntelang geschaut hat, dass die edlen Vierbeiner gut bei Fuß und gut beschuht sind.

Eines der ältesten Gebäude in Filzmoos ist der sogenannte „Oberhof“. 1285 erstmals urkundlich erwähnt, ist der Erbhof seit 1648 nachweislich in Familienbesitz. Oberhofbauer Christian Salchegger lebt hier von Klein auf. Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit wechselvoller Geschichte. Bis 2000 wurde Milchwirtschaft betrieben, danach auf Mutterkuhhaltung umgestellt, und 2017 hat der Bauer den Hof seinem Nachbarn verpachtet, weil er die Arbeit alleine nicht mehr geschafft hat. Hier ist viel von früher zu erzählen. Im dazugehörigen Oberhofmuseum hat Salcheggers Vater unterschiedliche Utensilien zusammengetragen, die zum Großteil direkt vom Oberhof stammen und vom bäuerlichen Leben anno dazumals zeugen.Vieles aus Holz, einem der wichtigsten Rohstoffe für den anfänglichen Bauernort.

„Das Holz war sehr wertvoll damals noch. Auch die Rinde ist hergenommen worden als Gerbrinde für die Ledergewinnung“, erzählt Revierförster Christian Maier, der es sich zur Aufgabe macht, diesen natürlichen Schatz der Region zu pflegen. Zählt doch Filzmoos zu den bewaldetsten Gemeinden Österreichs.

Den Bezug zur Natur nicht zu verlieren, ist der ansässigen Bevölkerung ganz besonders wichtig. Mangelndes Umweltbewusstsein ortet Landwirt Christian Salchegger vom Bögrainhof (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Oberhaufbauern) in der Tatsache, dass es zu wenige Menschen mit Bezug zum bäuerlichen Milieu gibt. „Unser größter Schatz ist die Biodiversität“, betont er und sieht eine große Problematik im Überfluss und in den Monokulturen. Seine Frau erfährt und vermittelt die Erdung an unterschiedlichen Kraftplätzen in der Umgebung.

Und wenn man von 1675 Metern Seehöhe aus in Richtung der Sulzenalm besonderen Gesang vernimmt, ist es kein Wunder. Die Nachwuchssennerinnen aus dem Hause der Familie Rettenberger, die die Wallehenhütte bewirtschaften, halten damit die alte Tradition, Almarbeit mit dem Volkslied zu verbinden, jung und lebendig.

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