Bergleben rund um den Pillersee

Das Pillerseetal zählt zu den einladendsten Landstrichen Tirols. Seine landschaftliche Schönheit, mitgezeichnet von pittoresken Aussichtsbergen und seinem smaragdgrünem See, spiegelt auch den warmherzigen und bodenständigen Charakter der Einheimischen. Regisseur Christian Papke taucht mit dieser ORF III Heimat Österreich Neuproduktion in den herbstlichen Charme des Berglebens der ganzen Region ein. Er begegnet Menschen, die spürbare Lust am Pflegen ihrer Traditionen haben. 

Das Pillerseetal im Tiroler Unterland. Eingebettet zwischen Kitzbühel und dem Salzburger Pinzgau. Die Blätter fallen, es fällt der erste Schnee. Die Bauern haben ihre Ernte längst eingebracht, aber es gibt immer viel zu tun. So auch am Petererhof in St.Ulrich am Pillersee, einem der ältesten Erbbauernhöfe Tirols. Er wird von Hoferbin Maria Pirnbacher und ihrer Familie betrieben. Die leidenschaftliche Landwirtin pflegt einen sehr liebevollen Umgang mit der Natur und ihren Jahreszeiten: „Das ist ja absolut ein unglaublich schöner Punkt der Bäuerin oder generell des Bauernstandes, dass man mit der Natur lebt. Und dass man wirklich auch so die Jahreszeiten lebt – und jede Jahreszeit einfach anders lebt.“ Auch im örtlichen Traditionsleben ist Pirnbacher als sogenannte „Röcklgwandfrau“ aktiv. Sie stellt ihre für das Tiroler Unterland typische bäuerliche Festtagstracht zur Schau, in der sie selbst geheiratet hat und deren Hut sie von der Großmutter erbte.

Auf Marias Hof schauen nicht nur die Waidringer Schützen vorbei, sondern auch die Nuaracher Stoabergplattler: Früher hieß St. Ulrich am Pillersee, westlich der Loferer Steinberge gelegen, „Nuarach“. Davon leitet die Tanzgruppe auch ihren Namen ab. Unter Obmann Hannes Simair, der sich das Harmonikaspielen selbst beigebracht hat, treffen sich die Mitglieder zum Schuhplatteln. „Ein alter Balztanz der Burschen, um den Frauen zu imponieren“, wie Simair weiß. Einer der Tänzer ist Anton Widmoser. Er ist Vorstandsmitglied im Fischereiverein Pillersee, der sich der Pflege des Naturidylls, von dem die gesamte Region ihren Namen hat, verschrieben hat. Der passionierte Fliegenfischer schätzt vor allem den Forellenreichtum und die beeindruckend grüne Farbe des Sees.

Das Pillerseetal in Tirol liegt eingebettet zwischen majestätischen Bergen, in derem Herzen die Buchensteinwand (1456 m) mit einem der beliebtesten Aussichtspunkte der Umgebung lockt: dem sogenannten Jakobskreuz. 30 Meter hoch, gilt es als größtes begehbares Gipfelkreuz der Welt. Mit Blick über die Gipfel der Loferer und Leoganger Steinberge bis hin zum Kitzbüheler Horn. Hinein in den sich über die Region legenden Herbst mit ersten winterlichen Vorboten. Mit Blick in die Natur, in die es Berg- und Wanderführerin Lisa Flatscher zieht. In Waidring, einer der fünf Pillerseetal-Gemeinden, hat sie eine Wander- und Bewegungsschule gegründet. Sie möchte den Menschen auch die kleinsten Besonderheiten und Lebenslehren der Natur zugunsten eines konzentrierten Bewusstseins (ohne Schritt- und Kalorienzählen) vermitteln: „Wenn ich Leute in die Natur begleiten darf, ist mir einfach wichtig, dass die Leut’ wieder einmal hinschauen, was sehen. Dass sie wieder einmal hinhören. Dass sie wieder einmal dreckige Hände kriegen. Dass sie einfach einmal auch im Bewusstsein sind. Dass sie da sind, wo wir jetzt sind. Und dass sie nicht ständig auf die Uhr schauen: Wie viele Höhenmeter haben wir jetzt schon? Wie viele Kilometer? Und wie viele Kalorien, in Gottes Namen, habe ich denn schon verbrannt? Also, das ist mir wirklich wichtig, dass ich sie einmal weghole von diesem Leistungsgedanken. Dass sie das Jetzt einfach spüren.“

Die Bergnatur des Pillerseetals prägt die seit jeher üppig wuchernde Latschenkiefer. Deren heilkräftige Wirkung wurde zur Mitte des 19. Jahrhunderts vom bayerischen Apotheker Josef Mack erkannt und, seit 1906 in Betrieb, gilt die Latschenölbrennerei in St. Ulrich am Pillersee als die älteste der Welt. Hier verarbeitet der Brenner Roman Wörter das Astwerk des auch als „Bergsegen“ bekannten Nadelgehölzes. „Wir brauchen dann ungefähr 2000 Kilogramm, dass wir zirka 4-7 Liter Öl herauskriegen“, erklärt Wörter die Relationen. Das gewonnene ätherische Öl wird unter anderem zu Badezusätzen weiterverarbeitet.

Aus heimischem Holz, meistens Pappel, fertigt Iris Waltl im familieneigenen Betrieb Holzschuhe. Sie tritt damit in die Fußstapfen ihres Großvaters und verfeinert mit ihrem in Italien angeeigneten Design-Know-How das einzigartige Produkt. Sie weiß: „Die Herausforderung ist, dass man immer etwas Neues kreiert, dass man immer am Puls der Zeit ist und dass man einfach nicht stehenbleibt und dass man halt – ja einfach auch mit der Zeit und mit der Mode geht.“

Vom Norden her vernimmt man über die leichten Wellen des für die Region namensgebenden Pillersees hinweg oft die Klänge der geschichtsträchtigen und vielfach ausgezeichneten Musikkapelle Waidring. Seinerzeit vom über vier Jahrzehnte lang wirkenden Ehrenkapellmeister Hermann Schreder übernommen, schwingt nun der junge Mario Millinger den Taktstock. „Ist die Welt auch noch so schön“, intonieren die Weisenbläser der Kapelle launig – allen voran der stolze Kapellmeistervater Karl Millinger. Ist die Welt auch noch so schön, einmal muss sie untergehen, heißt es im Lied.

Als Grenzregion nächst Salzburg und Bayern, war das Pillerseetal oft heiß umkämpft und einer der Hotspots im Tiroler Freiheitskampf. Aus dieser Tradition heraus wuchs die Waidringer Johann-Jakob-Stainer Schützenkompanie, deren langgedienter Hauptmann Hans Steiner war. „Tirol ohne Schützen wäre wie ein Brunnen ohne Wasser“, ist er überzeugt.

Einen Brunnen oder eine Wasserstelle bräuchte auch eine jede Krippe, ginge es nach Michael Döttlinger vom Krippenbauverein Fieberbrunn. „Weil das Wasser bedeutet Leben. Das gehört auf die Krippe“, so der Krippenbaumeister. Damit die Krippen rechtzeitig zur Advent- und Weihnachtszeit fertig werden, wird bereits im Spätsommer mit dem Basteln begonnen. „In eine Krippe kann man Zeit investieren ohne Ende. Aber so vierzig Stunden ist schon das Minimum, was man für eine Krippe braucht.“ Damit die Krippen rechtzeitig zur Advent- und Weihnachtszeit fertig werden, wird bereits im Spätsommer mit dem Basteln begonnen. Welche Bedeutung dabei aber dem Gloria-Wasser zukommt, das soll der Krippenbaumeister im Film selbst erklären.

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