„Mich stört, dass Weihnachen zum Fest des Konsumzwangs geworden ist.“

Schneegestöber. Kerzenschein. Friedvolle Einkehr. Zutaten für ein ideales Weihnachtsfest. Und für zahlreiche Weihnachtslieder.
Mit ihrem ersten veröffentlichen Song „Christmas Time Again“, bricht die junge und erfrischend begabte Wiener Künstlerin Amélie Persché mit diesem Idealbild. In vertrauter Robe gemütserwärmender Carols, kommt sie als Verpackung eines Gestern einher. Als es noch leuchtende Kinderaugen gab, Weiß und eine familiäre Wärme. Während der Zauber der Weihnacht vor allem einem unangenehmen Materialismus und dem damit verbundenen Zeitdruck gewichen ist. Und schon wieder steht sie vor der Tür. Und der Song kommt wie ein kleines Vexierbild. Amélie Persché im Kulturtodate-Interview über die Hintergründe ihres Liedes, ihre Liebe zur Musik, Weihnachten und ihre Wünsche für die Zukunft.

Was bedeutet dir Musik?
Amélie Persché: „Ich kann mir mein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Einerseits höre ich Musik um abzuschalten und einfach meine Zeit zu genießen. Andererseits benütze ich das Komponieren, um mit meinen Gefühlen und Gedanken umzugehen. Wenn mich etwas wirklich beschäftigt, dann schreibe ich einfach einen Song darüber. Meine Freude am Singen hab ich seit ich denken kann. Ich habe von klein an mit meinem Vater gemeinsam gesungen und mit 11 Jahren habe ich begonnen, Melodien zu komponieren. Vor 2 Jahren fing ich an, Songs zu schreiben.“

Warum ist es jetzt gerade Zeit für „Christmas Time Again“?
Amélie Persché: „Als ich den Song geschrieben habe, fand ich einfach, dass diese ganzen klassischen Weihnachtslieder, die wir immer im Radio hören, nicht mehr passend waren. Ich meine, wann hat es zuletzt in Wien zu Weihnachten geschneit? Auch mit der Corona-Krise dieses Jahr, wird Weihnachten sicher nicht mehr so sein, wie es die ganzen klassischen Weihnachtsfilme und Songs versprechen.“

Was ist die wichtigste Botschaft deines Liedes?
Amélie Persché: „Dass man Weihnachten auch kritisch hinterfragen kann.“

Das Lied hat auch eine feine gesellschafts- und zeitkritische Note. Was stört dich am gegenwärtigen Umgang der Gesellschaft mit der Weihnachtszeit?
Amélie Persché: „Mich stört, dass Weihnachten vom Fest der Liebe zum Fest des Konsumzwangs geworden ist. Alle versuchen, kurz vor Weihnachten Geschenke zu ergattern. Gestresst bringen sie die Shoppingcenter zum Überlaufen. Dieses Jahr wird’s wohl der Online-Shop sein. Und man muss bei dem Konsumzwang mitmachen. Man kann ja nicht einfach keine Geschenke haben. Als Kind sind mir diese ganzen Dinge natürlich nicht aufgefallen. Ich war einfach erfüllt vor Freude über Weihnachten. Der Baum, die Geschenke – alles erschien magisch. Das hat sich in den letzten Jahren geändert, was auch in meinem Song mitschwingt.“

Wie kam die Idee zu diesem Lied? Wie bist du da herangegangen?
Amélie Persché: „Ich habe angefangen diesen Song zu schreiben, als ich letzte Weihnachten bemerkt habe, dass es nichts mehr von der Magie hatte die es für mich als Kind gehabt hat. Ich fand die ganzen Weihnachtssongs, die ich hörte, nicht mehr passend und beschloss, meinen eigenen Song zu schreiben. Wenn ich einen Song schreibe habe ich immer zuerst eine Idee, wovon er handeln soll. Dann suche ich mir Akkorde, die dazu passen und beginne dazu den Text zu schreiben. So war es auch bei diesem Song.“

Welche Instrumente spielst du?
Amélie Persché:
„Ich spiele Bratsche und Klavier, wobei Bratsche mein Hauptinstrument ist. Meine Songs komponiere ich jedoch meistens am Klavier.“

Hast du ein Lieblingsinstrument?
Amélie Persché: „Ich liebe alle tiefen Streicher und Blasinstrumente. Ich kann mich nicht wirklich auf ein Instrument festlegen, aber tiefe Resonanzen finde ich einfach toll.“

Mit welchem aktuellen Projekt bist du derzeit beschäftigt?
Amélie Persché: „Ich bin derzeit dabei, mit dem Produzenten Georg O. Luksch meine weiteren Songs aufzunehmen. Sie werden im Laufe des nächsten Jahres herauskommen.“

Hast du auch ein Faible für die Schauspielerei?
Amélie Persché: „Ich finde Schauspielen sehr cool und war auch vor ein paar Tagen in der Serie DAVE im ORF zu sehen. Ich hoffe, dass ich es schaffen werde, in Zukunft noch mehr mit Schauspiel zu machen.“

Dieser Tage ist es gerade auch für die Künstlerbranche ganz besonders herausfordernd. Was wünschst du dir für dein Künstlerleben? Was sind deine Ziele?
Amélie Persché: „Für mein Künstlerleben wünsche ich mir, dass ich es schaffe, ich selbst zu bleiben und mich nicht – wie es in der derzeitigen Gesellschaft angesagt ist – zu verstellen. Und natürlich würde ich mir wünschen, einmal von der Kunst Leben zu können.“

Was wünschst du dir für die Weihnachtszeit?
Amélie Persché: „Ich wünsche mir zu Weihnachten eine ruhige, besinnliche Zeit mit meiner Familie, die Erholung und Freude bringen soll.“

Christmas Time Again ist auch auf spotify und auf itunes.
Beitragsbild (Portrait Amélie Persché) © Alexander Bachmayer

Ein Gedanke zu “„Mich stört, dass Weihnachen zum Fest des Konsumzwangs geworden ist.“

  1. Willibald Duschnitz sagt:

    Ein aussergewöhnliches Lied, Amelie schwimmt da gegen den Kitsch der Weihnachtslieder, sehr wohltuend, macht nachdenklich und 2020 sehr passend. Viel Erfolg!

    Gefällt 1 Person

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