„Lust, Theater für die Ohren zu gestalten“

Bettina Lippenberger schuf mit ihrem „Krümelchen“ eine liebevolle Kinderbuchreihe. Im Mittelpunkt ein Brotkrümelchen, mit dem die jüngsten Bücherwürmer die Welt entdecken und erkunden können. Nun wird Band 1 von „Krümelchen und seine Freunde entdecken die Welt“ als Hörbuch erscheinen. Stimme gegeben hat dem außergewöhnlichen Abenteurer der aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler Oliver Bokern. Im KulturToDate-Interview erzählt er über die Phänomene „Hörbuch“ und „Krümelchen“.

Was ist das Schöne an einem Hörbuch?
Bokern: „Hörbücher begleiten mich schon sehr lange. In meiner Kindheit hörte ich mehr Hörspielkassetten wie z.B. Die drei ??? oder Reineke Fuchs, in denen die Geschichte von einem ganzen Ensemble von Sprechern gespielt wird. Doch als junger Erwachsener habe ich dann die Hörbücher für mich entdeckt. Besonders gerne höre ich noch Gert Westphal zu, wenn er mir die Effi Briest vorliest oder den Stechlin. Auch Hannes Messemer zuzuhören, wenn er mit Berlin Alexanderplatz von Döblin mehr vorspielt als liest, ist ein großes Vergnügen. So fiel es mir übrigens viel leichter, mich der Weltliteratur zu öffnen. Irgendwann hat es mich gepackt und ich bekam selber Lust, Theater für die Ohren zu gestalten: In die Charaktere einzusteigen, durch Variationen der Stimme die Fantasie des Hörers zu beleben und dessen eigenen Film zwischen den Ohren zu gestalten. Sprache, auch die geschriebene, insbesondere die der Literatur, ist da um laut gesprochen zu werden. Nun traut sich das kaum einer, wenn er auf dem Sofa liegt. Dann mach ich das eben umso lieber für ihn.“

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Oliver Bokern | Foto: Torsten Tiedge

Was ist das „Krümelchen“ und was ist das Spannende an seiner Geschichte?
Bokern:Krümelchen ist ein kleiner, charmanter, wissbegieriger Abenteurer, der zufällig als ein Brotkrumen auf die Welt gekommen ist. Na und?! Die Abenteuer, die Bettina Lippenberger ihn erleben lässt, die vielen Freunde, die er findet, sind so spannend und liebreizend, man kann sich ihnen gar nicht entziehen.“

Wie kam es dazu, dass Sie das Krümelchen sprachen?
Bokern: „Bettina Lippenberger und ich sind schon seit Jahren über Facebook befreundet. Es ist schon so lange her, ich weiß es nicht mehr genau, wie es dazu kam. Ich vermute, sie hatte mich im Fernsehen gesehen, in der Rolle des Jürgen in Verliebt in Berlin. Irgendwann ist ihr wohl aufgefallen, dass ich einen eigenen Hörbuchkanal Der Hörwerker auf youtube habe, auf dem ich meine eigenen Hörbuchproduktionen präsentiere. Irgendwann sprach sie mich an und erzählte mir von ihren Geschichten und wie schön es wäre, sie von mir gesprochen zu hören. Ich glaube, so war das.“

Wie erleben Sie Kinder als Publikum?
Bokern: „Kinder, insbesondere die kleinen, sind ein hartes und tolles Publikum. Gnadenlos in ihrer Ehrlichkeit. Als ich vor vielen Jahren mal in einem Weihnachtsmärchen im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg einen Hund spielte, hatte ich sehr viel Spaß damit, die kleinen ein bisschen zu ängstigen oder auf meine Seite zu ziehen, wenn es für die Geschichte notwendig war. Es ist so wunderbar zu sehen, wie die Kleinen voll einsteigen in die Geschichte, alles um sich herum vergessen, auch, dass sie in einem Theater sind. Sie sind in der Geschichte, mit den Figuren, wie kaum ein Erwachsener es noch kann. Ich hoffe, dass mir die Entführung in die Fantasiewelt – auch nur durch die Stimme in einem Hörbuch gelingt. Ich bin so gespannt auf die Reaktionen der Kinder auf Krümelchens Abenteuer.“

Steckt im Hörbuch etwas von der alten „Vorlese“- bzw. „Erzähler“-Tradition?
Bokern: „Hörbücher stehen auf jeden Fall in der Tradition des Erzählens. Das Hörbuch und das Hörspiel haben in Deutschland seit dem Aufkommen des Radios in den 20er Jahren eine lange und im Prinzip auch ungebrochene Tradition. Ganz anders ist es in anderen Ländern, wie zum Beispiel in Frankreich. Dort ist das Hörbuch weitaus weniger populär als bei uns. Dort gelten Hörbücher eher als eine Art Hilfe für Blinde, die nicht mehr selbst lesen können – weniger als eine eigenständige Kunstform, wie in Deutschland.“

Wird das „Hörspiel“ gerne vergessen?
Bokern: „Das Hörspiel ist keineswegs vergessen! Es werden in Deutschland jedes Jahr dutzende Hörbücher von den Hörfunkanstalten produziert, teils sehr ambitioniert, teils auch eher konventionell. Es gibt eigene Podcasts, in denen diese Hörspiele abrufbar sind. Das Hörspiel lebt.“

Worin besteht die Herausforderung bei der Verkörperung mit der Stimme?
Bokern: „Die größte Herausforderung bei einem Hörbuch, in dem ich ja ganz allein spreche, ist es, für jeden Charakter die richtige Sprache und Sprechweise, die richtige Stimme, eben das zu finden, was die Figur, nur über das Ohr wahrgenommen, klar umreißt, die Fantasie anregt und jederzeit wiedererkennbar macht. In der Krümelchengeschichte sind so viele Figuren drin, die teils nur einen Satz sprechen. Irgendwann gingen mir die Möglichkeiten aus, noch etwas Neues zu finden. Das war eine spannende Herausforderung – eben Theater fürs Ohr.“

Was kann man vom „Krümelchen“lernen?
Bokern: „Krümelchen ist so ein neugieriger, wissbegieriger und mutiger Geselle, der sich jeder Aufgabe stellt. Das finde ich beeindruckend und berührend. Er hat ein großes Herz, das schnell für andere schlägt. Wie oft treffen wir solche Menschen noch in unserem Leben? Ich finde, viel zu selten. Wir sollten unseren Kleinen mehr solche Geschichten erzählen und ihnen die Freude am Mut mitgeben, das Herz zu öffnen.“

Mit welchen aktuellen Projekten sind Sie befasst?
Bokern: „Neben dem Sprechen schreibe ich auch. Ich sitze gerade an meinem ersten Roman und das schon recht lange. Eigentlich sollte es nur eine kleine Sammlung von Geschichten werden, locker zusammenhängend. Dann wollte die aber plötzlich doch eine große Sammlung werden und letztlich zu einem Roman. Da konnte ich dann auch gar nichts gegen sagen. Nun sitze ich da mit dem Projekt und schreibe und schreibe.“

Was wünschen Sie sich für die Advent- und Weihnachtszeit und das neue Jahr?
Bokern: „Ach, für mich ist Weihnachten nicht so ein wichtiges, großes Ding. Schon vor vielen Jahren habe ich mich konsequent diesem Trubel entzogen und es geht mir besser damit. Für das neue Jahr aber habe ich einige Wünsche. Ich wünsche mir, dass ich endlich mit dem Roman fertig werde. Ich wünsche mir, einen Verlag zu finden, der ihn veröffentlichen möchte. Ich wünsche mir noch ganz viele Hörer auf meinem Youtube-Kanal Der Hörwerker und natürlich wünsche ich mir, dass noch ganz viele Autoren ihren Text von mir gelesen haben möchten. Und für Bettina und für ihr Krümelchen wünsche ich mir ganz viele kleine und große Hörer. Ich sage nur: auf in Krümelchens Welt.“

Das Hörbuch erscheint am 15.12. 2017 zum Download. Zum Inhalt:
„Krümelchen, ein kleiner Brotkrümel, der sehr gern mehr von der Welt sehen würde, erlebt schon in den ersten Minuten seines Lebens viel Aufregendes. Doch allein ist das Entdecken langweilig. Welch ein Glück, dass er Flöckchen, eine Staubflocke, trifft. Sie haben viel Spaß, bis der Staubsauger Krümelchen verschluckt. Fusselchen, ein Sockenfussel, wohnt schon längere Zeit in dem Beutel. Gemeinsam beschließen sie zu entkommen. Eine abenteuerliche Reise beginnt.“

Zur Hörkostprobe

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